Gereon Krahforst spielt seine eigene Komposition:

Bilderbuch Andalusien
14 Orgelst√ľcke √ľber ein Paradies (2018)     

1. Sevilla. Tiento    
2. M√°laga. Malague√Īa     
3. El parque natural de la bre√Īa y las mar√≠smas. Canci√≥n del bosque (Lied des Waldes)    
4. Marbella. Canci√≥n de la playa (Strandgesang)    
5. Castellar de la frontera. Fanfare del castillo (Burgfanfare)    
6. Jaén. Saeta (Klagelied)
7. Ronda. Ca√Īa
8. Costa de la luz. Capriccio
9. Almería. Fandango
10. Ist√°n. Canci√≥n del pueblo quasi con guitara (Dorflied mit Gitarre)    
11. C√≥rdoba. Cantico de la Mezquita  (Kirchengesang aus der Mezquita)    
12. Granáda. Canción mistica, fanfare arabe de la Alhambra y las fuentes en el Generalife
           (Geheimnisvoller Gesang, arabische Fanfare aus der Alhambra und die Springbrunnen des
            Generalife)
13. El caminito del rey. Canci√≥n de la monta√Īa (Gebirgsgesang)    
14. C√°diz. Final. Farruca

 

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Gereon Krahforst

wurde 1973 in Bonn geboren; er hatte bereits verschiedenePositionen inne: u.a. als Domorganist in Minden und Paderborn; Organist in Marbella (Spanien); Leiter einer Hochschul-Orgelklasse in Hannover; ab 2012 Kathedralorganist in Saint Louis, Missouri (USA); seit 2015 Abteiorganist in Maria Laach und seit 2018 zus√§tzlich Organist der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle; k√ľnstler. Leiter des Bonner Orgelfestes, der Konzertreihe “Geistliche Musik in St. Sebastian” in Boppard-Buchholz sowie an der K√∂nig-Orgel von 1714 in Niederehe / Eifel; internationale Konzertt√§tigkeit mit breit gef√§chertem Repertoire sowie als gefeierter Improvisator. Mehrmalige Gesamtauff√ľhrung des Bachschen Orgelwerks. 2019 Auff√ľhrung s√§mtlicher 10 Symphonien Widors in Maria Laach und Koblenz. Preistr√§ger zahlreicher Wettbewerbe in Komposition, Klavier und Orgel; CD-Aufnahmen sowie Auftritte in Rundfunk und Fernsehen und Widmungstr√§ger einiger zeitgen√∂ssischer Kompositionen.

Gereon Krahforst reist seit nunmehr fast 30 Jahren mehrmals im Jahr nach Andalusien, seiner zweiten Heimat aus privaten und famili√§ren Gr√ľnden. Um seiner gro√üen Liebe zu diesem Land im S√ľden Spaniens endlich einmal kompositorisch Ausdruck zu verleihen, plant er schon seit mindestens 15 Jahren einen Klavierzyklus, zu dem es allerdings nie gekommen ist. 2018 fasste er dann den Entschluss, eine gro√üe Suite f√ľr Orgel anzufertigen. Sie enth√§lt sowohl folkloristische als auch christliche (kirchenmusikalische) Themenvorlagen und bearbeitet einmal auch einen islamischen Gesang, wo es um die Mezquita in C√≥rdoba geht. Vierzehn verschiedene St√ľcke zeichne Naturph√§nomene, die Mittelmeer- und Atlantikstr√§nde, Gebirge, historische Bauwerke, St√§dte und sonstiges nach und sind in traditioneller spanischer Harmonik und oft auch in entsprechenden bekannten rhythmischen Formen gehalten. Alle Titel sind doppelt vergeben - eine Art √úberschrift, die das konkrete Themenobjekt (Wald, Strand, Burg, Stadt etc.) beschreibt, und eine Art Untertitel, die auf die musikalische und/oder rhythmische Form hinweist. 

1. "Sevilla“: ein Tiento war zun√§chst eine mehrteilige Form, √§hnlich dem fr√ľhbarocken Pr√§ludium oder Pr√§ambulum. Sp√§ter stand die Bezeichnung f√ľr eine strenge Fuge, √§hnlich dem Ricercar. Das Tiento dieser Suite ist inspiriert durch den Anblick der Fassade der gewaltigen Kathedrale und, als musikalische Verneigung vor der Hauptstadt Andalusiens, der Suite an den Anfang gestellt. Das Kyrie der popul√§ren andalusischen Volks-Betsingmesse "Se√Īor, ten piedad“ erklingt archaisch zu Beginn und rahmt die beiden Fugenteile ein. Der zweite Fugenteil tr√§gt als Fugenthema die Umkehrung des ersten Fugenthemas.

2. "M√°laga“ ist eine Orgelparaphrase √ľber das gleichnamige, ber√ľhmte, traditionelle St√ľck "Malague√Īa“, inspiriert von den Gassen der Altstadt unterhalb der Alcazaba.

3. "El Parque natural...“ ist ein meditatives St√ľck mit leichtem Waldesrauschen und etwas Vogelgesang sowie Geh√§mmer mediterraner Spechte; es entstand unter dem Bild und Gesamteindruck des atemberaubenden Pinienwaldes, der sich zwischen Barbate und Los Ca√Īos de Meca an der Costa de la Luz befindet.

4. "Marbella“ ist eine Art Strandgesang mit heiterem "Strand-Thema“, das sp√§ter noch einmal wiederkehrt, in mittelschneller Bewegung und mit einer Schlusssteigerung, in der das Strandthema toccatenartig auseinandergerissen wird und damit st√§rkere Wellen symbolisiert. Dieses Thema kommt sp√§ter nochmals vor (in Nr. 8).

5. "Castellar de la frontera“ ist eine maurische alte Festung auf einem Berggipfel, innerhalb deren Mauern sich ein wei√ües Dorf befindet und von der aus man eine weite Aussicht, unter anderem nach S√ľdosten hin bis auf den Gibraltarfelsen, hat. Auf eine Burgfanfare folgt eine Art schlichter, andalusischer Tanz, wie er in etwa bei Dorffesten stattfinden k√∂nnte; hierauf erklingt zum ersten Mal ein choralartiges "Thema f√ľr historische monumentale Bauwerke“; alle drei Teile – Fanfare, Dorftanz und das gerade erw√§hnte Thema, das ebenfalls sp√§ter wiederkehrt (in Nr. 8), erklingen jeweils nochmals verk√ľrzt.

6. In "Ja√©n“ ert√∂nt meditativ der Bittgesang "Cordero de di√≥s“ (Lamm Gottes) in Orgelbearbeitung, quasi eine meditative Choralbearbeitung. Saetas sind zum gr√∂√üten Teil Bittges√§nge an die Jungfrau Maria, zu einem kleineren Teil aber auch an Christus. Genau wie im originalen "Cordero de di√≥s“ wird der Bittruf dreimal aufgef√ľhrt; in dieser Komposition zur Variabilit√§t zun√§chst in Moll, dann in Dur.

7. F√ľr "Ronda“ steht an dieser Stelle traditionelle, lebendige Musik f√ľr die traditionsreiche, uralte Stadt mit der ber√ľhmten Schluchtbr√ľcke. Der Rhythmus "Cana“ ist mit dem des "Bolero“ verwandt.

8. "Costa de la luz“ ist sozusagen der zweite Strandgesang nach Nr. 4; diesmal wesentlich bewegter und um einiges dramatischer – das Strandthema (s. Nr. 4) ist nun eingebettet in rauschende, manchmal schroffe Wellen und Windst√∂√üe. W√§hrend sich die "Costa del Sol“ (Sonnenk√ľste) √∂stlich von Gibraltar und am Mittelmeer befindet, liegt die "Costa de la luz“ (Lichtk√ľste) westlich von Gibraltar am Atlantik und ist auf ganz eigene Weise wilder, elementarer und rauher. In der Mitte dieses Werkes erklingt noch einmal das Thema f√ľr monumentale, historische Bauwerke (aus Nr. 5): hier steht es f√ľr die Ruinen der antiken, r√∂mischen Handelsstadt "Baelo Claudia“ bei Bolonia.

9. Auch "Almer√≠a“ ist rhythmusbetontes Tanzst√ľck √ľber die Stadt mit den engen Gassen und uralten wei√üen H√§usern. Der Fandango ist ebenso traditionell wie die vorangegangenen "Cana“ und "Malague√Īa“ und ebenfalls in einem Dreiertakt gehalten.

10. "Ist√°n“ ist ein Bergdorf oberhalb von Marbella und Puerto Ban√ļs, in dem das Pl√§tschern vieler Trinkwasserbrunnen omnipr√§sent ist. Die hier auf die Orgel √ľbertragenen Gitarrenl√§ufe und –arpeggios zeichnen dieses Pl√§tschern der vielen kleinen Quellen und gleichzeitig auch das Musizieren von Gitarrenspielern in den Gassen nach.

11. In "C√≥rdoba“ wird der weltbekannten Mezquita, die seit der Reconquista eigentlich f√ľr zwei Weltreligionen – das Christentum und den Islam – steht, klanglich Ehre erwiesen. In die Mitte einer gigantischen S√§ulenhalle wurde eine katholische Kathedrale hineingebaut. Drei thematische Gebilde gestalten dieses St√ľck: ein einleitendes, freies, choralartiges, allgemeines "Mezquita“-Thema, dann ein islamisches Loblied, dann erneut, als christlichkatholischer Beitrag, das Kyrie "Se√Īor, ten piedad“ und etwas sp√§ter auch der Beginn des Sanctus "Santo“ aus der spanischen Betsingmesse.

12. Die maurische Alhambra in "Granada“ (√§hnlich wie die Mezquita in C√≥rdoba ein weltber√ľhmtes, imposantes Bauwerk) beginnt mit sehr mystischen, arabisch eingef√§rbten musikalischen Gebilden, wonach ein kurzer, lauter, archaischer Einwurf eine weitere Fanfare einleitet. Nach der Fanfare klingen die vielen kleinen Font√§nen des Generalife, der ber√ľhmten Brunnenanlage, an. Diese drei kleinen Themenkomplexe werden ebenfalls jeweils wiederholt.

13. Der "Caminito del Rey“ ist ein Abenteuer-Wanderpfad, der durch wundersch√∂ne Bergwelten, auf h√§ngenden Stegen und Br√ľcken von Zeit zu Zeit auch an tiefen Schluchten vorbei f√ľhrt. Er liegt im Valle del Guadalhorce, nordwestlich von M√°laga. Die Musik ist zun√§chst ein fr√∂hliches Wanderlied; sp√§ter ger√§t der zun√§chst so sichere Schritt etwas ins Straucheln, dann verk√ľndet eine stolze Fanfare die H√§lfte des anstrengenden Weges, eine Gitarre erklingt in Verbindung mit dem Wanderlied-Thema zu einer Art Rastpause (Thema aus Nr. 10), wonach sich das Weitergehen ank√ľndigt: zun√§chst wieder strauchelnd, dann wieder sichereren Fu√ües mit dem Wanderlied allein – beim ersch√∂pften Erreichen des Ziels nochmals kurz von der "Dorfliedgitarre“ begleitet.

14. Die Stadt "C√°diz“ f√ľllt eine Halbinsel aus und liegt somit fast ganz an der Atlantikk√ľste – in drei Richtungen. Auch diese Stadt verf√ľgt √ľber eine beeindruckende Kathedrale. Hier wird zum Finale, eingebettet in festliche Kl√§nge und Rhythmen der "Farruca“, in mehreren Raten das Sanctus (Santo, santo, santo el se√Īor“) aus der spanischen Betsingmesse gesungen. Somit wird das Gotteslob zu Beginn, in der Mitte und ganz am Schluss dieser musikalischen Reise besonders betont.

 

Gereon Krahforst