Petr EBEN    
1929 - 2007    

 LAUDES (1964)

I.   Largo
      II.  Lento
      III. Fantastico
      IV. Gravemente—Allegro

Charles–Marie WIDOR
1844 - 1937

QuatriĂšme Symphonie Op. 13 Nr. 4
      I.    Toccata
      II.   Fuge: Moderato assai
      III.  Andante cantabile: Dolce
      IV.  Scherzo
      V.   Adagio
      VI.  Finale: Moderato

Barry Jordan

wurde 1957 in Port Elizabeth, SĂŒdafrika, geboren. Er studierte zunĂ€chst in Kapstadt, wo er 1985 sein Studium in Fachrichtung Komposition mit dem akademischen Grad Master of Music abschloss.

Ab 1986 studierte er in Wien Komposition (Klasse Francis Burt) und Orgel (Klasse Martin Haselböck). 1987 verlegte er sein Studienort  nach LĂŒbeck, wo er weiterhin bei Prof. Martin Haselböck arbeiten konnte. Hier schloss er 1989 sein Konzertexamen(Orgel) und 1994 sein Kirchenmusikstudium ab. Im Jahre 1994 wurde er nach Magdeburg berufen, wo er seit August desselben Jahres das Amt des Domkantors und -organisten bekleidet. 2002 – 2006 leitete er eine Orgelklasse an der Musikhochschule Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig; 2004 wurde er zum Kirchenmusikdirektor ernannt. 2014 hielt er Meisterklassen an zwei renommierten UniversitĂ€ten in den Vereinigten Staaten.

Petr Eben war einer der fĂŒhrenden zeitgenössischen Komponisten der Tschechei. Obwohl er katholisch erzogen wurde, war sein Vater Jude; dementsprechend wurde er 1943 im Alter von 14 Jahren gefangen genommen und verbrachte die Jahre bis zum Ende des Krieges in Buchenwald. Er war ein sehr glĂ€ubiger Mensch und sein umfangreiches Werk fĂŒr die Orgel reflektiert diese PrĂ€gung.

Zu seinem eigenen Werk “Laudes”, geschrieben 1964, schreibt er:
Die Grundidee des Zyklus entspringt der Erkenntnis, dass unser Jahrhundert zutiefst undankbar ist — zu den Menschen um uns, zur Welt und am meisten zu ihrem Schöpfer. Überall gibt es Forderungen, Beschwerden, Unzufriedenheit und auch Auflehnung, nur von Dankbarkeit keine Spur . Und so ist es vielleicht die dringendste Aufgabe der Kunst, lobzupreisen, denn sonst “wĂŒrden die Steine rufen”, wie in der Schrift geschrieben sieht.

Darum also Laudes. Aus diesem inneren Programm ergab sich der etwas eigenartige Grundriss der Form, den allen vier SÀtzen ist: trotz der zeitweisen Andeutung einer Dreiteiligkeit sind alle SÀtze im Grunde in einer zweiteiligen Form geschrieben, die aus der einleitenden AtmosphÀre und der aus ihr entspringenden Lobpreisung besteht.

Die Grundsituation, aus der sich das Lob erhebt, ist in jedem Satz verschieden: ein Staunen vor der GrĂ¶ĂŸe der MajestĂ€t im 1. Satz,  ein Innehalten vor dem keimenden Geheimnis  im 2. Satz,  eine dramatische Zerissenheit und Unruhe im 3. Satz und ein Suchen und Irren in einer schweren depressiven AtmosphĂ€re im 4. Satz.

Jedem Satz liegt eine Melodie aus dem gregorianischen Choral zu Grunde. Im 2. Teil des 1. Satzes erklingt leise das Oster-Alleluia, dessen Intervalle Petr Eben war einer der fĂŒhrenden zeitgenössischen Komponisten der Tschechei. Obwohl er katholisch erzogen wurde, war sein Vater Jude;
dementsprechend wurde er 1943 im Alter von 14 Jahren gefangen genommen und verbrachte die Jahre bis zum Ende des Krieges in Buchenwald. Er war ein sehr glĂ€ubiger Mensch und sein umfangreiches Werk fĂŒr die Orgel reflektiert diese PrĂ€gung.

Zu seinem eigenen Werk “Laudes”, geschrieben 1964, schreibt er:
Die Grundidee des Zyklus entspringt der Erkenntnis, dass unser Jahrhundert zutiefst undankbar ist — zu den Menschen um uns, zur Welt und am meisten zu ihrem Schöpfer. Überall gibt es Forderungen, Beschwerden, Unzufriedenheit und auch Auflehnung, nur von Dankbarkeit keine Spur . Und so ist es vielleicht die dringendste Aufgabe der Kunst, lobzupreisen, denn sonst “wĂŒrden die Steine rufen”, wie in der Schrift geschrieben sieht.

Darum also Laudes. Aus diesem inneren Programm ergab sich der etwas eigenartige Grundriss der Form, den allen vier SÀtzen ist: trotz der zeitweisen Andeutung einer Dreiteiligkeit sind alle SÀtze im Grunde in einer zweiteiligen Form geschrieben, die aus der einleitenden AtmosphÀre und der aus ihr entspringenden Lobpreisung besteht.

Die Grundsituation, aus der sich das Lob erhebt, ist in jedem Satz verschieden: ein Staunen vor der GrĂ¶ĂŸe der MajestĂ€t im 1. Satz,  ein Innehalten vor dem keimenden Geheimnis  im 2. Satz,  eine dramatische Zerissenheit und Unruhe im 3. Satz und ein Suchen und Irren in einer schweren depressiven AtmosphĂ€re im 4. Satz.

Jedem Satz liegt eine Melodie aus dem gregorianischen Choral zu Grunde. Im 2. Teil des 1. Satzes erklingt leise das Oster-Alleluia, dessen Intervalle auf kleinste Schritte von Sekunden zusammengedrĂ€ngt sind, die sich bei jeder Wiederholung in genauen mathematischen Beziehungen bis zu Sext- und SeptimensprĂŒngen erweitern, wonach auf dem Gipfel der Steigerung das Originalthema im Pedal erklingt. Am Beginn des 2. Satzes ist es eine der Doxologie-Melodien, ("Gloria Patri“), die im mysteriösen Doppelpedal erklingt, bevor im 2. Teil das Lob ĂŒber einem Tanzrhythmus im Pedal ausbricht.  Der 3. Satz beginnt mit einem Ostinato ĂŒber dem bekannten Нуmnus “Lauda Sion Salvatorem“, dessen Melodie aber modal sehr verwandelt ist; am Ende des Satzes erklingt im Solo-Register der Orgel eine Art Jazz-Improvisation der Trompete. Das Zitat des 4. Salzes ist den "Laudes Carolinae” (“Christus Vincit’) entnommen und erklingt in einer vereinfachten Umrissform im fortissimo des Pedals (zum pianissimo des Manuals) und wird bei jeder Wiederholung immer klarer, deutlicher und siegreicher.  Mit einer ToccataflĂ€che ĂŒber dieses Motiv endet der Zyklus.

Widor, geboren in Lyon vor 175 Jahren, war 64 Jahre lang Organist an St. Sulpice in Paris, die Kirche, die CavaillĂ©-Colls 100-registriges magnum opus beherbergt. Diese Orgel bot den NĂ€hrboden fĂŒr seinen kompositorischen Stil. Die vier Orgelsinfonien der Gruppe Opus 14 sind eher Suiten zu nennen; sie sind nur locker nach Tonart organisiert, nicht motivisch verwandt und gewissermaßen austauschbar. Widor legte keinen besonderen Wert auf AuffĂŒhrung der Werke im Ganzen und war mit dem Spielen einzelner SĂ€tze daraus einverstanden. Die eröffnende “Toccata” der vierten Sinfonie ist fast im Sinne einer norddeutschen Toccata oder Praeludium zu verstehen: frei, rezitativisch - und keinesfalls motorisch getrieben wie die BerĂŒhmte aus der V. Sinfonie. Andere SĂ€tze dieser Sinfonie offenbaren Widors Sinn fĂŒr aparte Harmonie und hĂŒbsche Melodie, verbunden mit einem GefĂŒhl fĂŒr die Farben und Möglichkeit seiner Orgel, vielleicht besonders im bezaubernden “Andante cantabile”.

Barry Jordan